London fordert Eskalation gegen Rußland ohne Rücksichtnahme

Das Royal Institute for International Affairs (RIIA), die maßgebliche außenpolitische Denkfabrik der britischen Monarchie, ruft in einem Artikel vom 10.5. Großbritannien dazu auf, sich mit allen Mitteln gegen Rußland zu stellen. „Angesichts der russischen Drohungen zurückzuweichen, ist die schlechteste Option“, schreibt Keir Giles, Senior Consulting Fellow des Instituts. Statt dessen müsse man sich Frankreichs „strategischer Ambiguität“ anschließen.

Giles begrüßt die Äußerung von Außenminister David Cameron während seines jüngsten Besuchs in Kiew, wonach die Ukraine das Recht habe, mit britischen Waffen russisches Territorium anzugreifen. Londons Position stehe „in scharfem Gegensatz zu jener der USA, die der Ukraine stets verboten haben, die von ihnen gelieferten Waffen gegen Ziele in Rußland einzusetzen“. Doch „leider“ habe Cameron die Wirkung seines Vorschlags selbst untergraben, indem er eine Präsenz westlicher Truppen in der Ukraine ausschloß.

Giles behauptet, Washington und Berlin seien auf einen russischen „Trick“ hereingefallen, wenn sie glauben, die Lieferung hochwirksamer Waffen an Kiew würde zu einer Eskalation führen. Die europäischen Regierungen sollten dem Beispiel des französischen Präsidenten Macron folgen, der sich mehrfach für die Entsendung von NATO-Truppen in die Ukraine gegen Rußland ausgesprochen hat. Selbst wenn der Kreml daraufhin mit seinem ausgedehnten Netzwerk von „Stellvertretern“ Großbritannien und andere europäische Staaten angreife – möglicherweise mit Terroranschlägen auf wichtige Städte -, dürfe Europa „nicht nur ein passives Opfer sein“. Giles verschweigt, daß das eigentliche Ziel dabei die Rettung der anglo-amerikanischen „unipolaren Weltordnung“ ist.

Und was halten die Russen von all dem? Das Außenministerium bestellte die französischen und britischen Botschafter ein, um gegen die Drohungen ihrer Länder zu protestieren. TASS zitierte die Sprecherin des Ministeriums, Maria Sacharowa: Camerons Bemerkung, London halte es für legitim, daß das Kiewer Regime britische Waffen für Angriffe auf russisches Territorium einsetzt, sei „völlig verrückt… Sollte ein solches Szenario eintreten, behält sich unser Land, Rußland, das Recht vor, entsprechend zu reagieren, das heißt, britische Einrichtungen in der Ukraine wie auch außerhalb ihrer Grenzen als Ziele zu betrachten – militärische Einrichtungen, Waffen usw.“ Das gleiche wurde dem französischen Botschafter deutlich gemacht.

Offenbar ist die ukrainische Regierung bereit, Londons Spiel mitzuspielen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Dmytro Lasutkin, warnte am 12.5., die neuen Gesetze zur Durchsetzung der Wehrpflicht bedeuteten massive Veränderungen im Leben der Ukrainer. Um den Feind zu besiegen, müsse die gesamte Gesellschaft Opfer bringen und ein friedliches Leben vergessen.

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