Rußland plant schwimmendes Kernkraftwerk für Guinea

Am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg wurde am 7.6. eine Absichtserklärung zwischen dem staatlichen russischen Konzern Rosatom und der Republik Guinea über die Entwicklung schwimmender Kernkraftwerke in dem westafrikanischen Land unterzeichnet. Die Vereinbarung umfaßt nach Angaben des Vizechefs der Maschinenbauabteilung von Rosatom, Wladimir Aptekarew, „die gemeinsame Arbeit an der Entwicklung einer Lösung für die Stromversorgung von Industrie- und Haushaltskunden in der Republik Guinea durch den Einsatz schwimmender Kernkraftwerke mit RITM-200-Reaktoren, die sich bereits als effizient erwiesen haben“.

Dieser Reaktor ist Rosatoms Flaggschiff unter den Kleinen Modularen Reaktoren (SMR) und versorgt die neuen großen Eisbrecher der LK-60-Ja-Klasse (Projekt 22220). Seine Leistung ist mit 55 MW größer als die des KLT-40 (38 MW), von denen zwei das schwimmende Kraftwerk Akademik Lomonossow mit Strom versorgen. Außerdem wird derzeit bei Ust-Kuiga in Jakutien im arktischen Norden Rußlands ein Kernkraftwerk (KKW) mit einem RITM-200-Reaktor gebaut, das 2028 als erster SMR der Welt den regulären Betrieb aufnehmen soll.

Diese Reaktoren sind ideal für die Erzeugung von Strom, Prozeßwärme und Fernwärme an abgelegenen Standorten sowie für Meerwasser-Entsalzung. Rosatom möchte offensichtlich ein Auftragsbuch damit füllen, um sie in Serie zu bauen.

Beim offiziellen Besuch des russischen Präsidenten in Usbekistan am 26.5. wurde ein Abkommen unterzeichnet, wonach Rosatom ein KKW mit sechs RITM-200-Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 330 MW in der Jizzakh-Region in Usbekistan bauen wird; die Bauarbeiten sollen schon im Sommer beginnen.

Der russische Nukleargigant hat auch einen größeren SMR, den VBER-300, entworfen, der sich in der abschließenden Genehmigungsphase befindet. Die Konstruktion des Druckwasserreaktors wurde ebenfalls aus Schiffsreaktoren entwickelt. Mit einer Leistung von 300 MW könnte er an Land oder schwimmend eingesetzt werden.

Ebenfalls am Rande des SPIEF unterzeichneten Rosatom-Generaldirektor Alexei Lichatschow und der Energieminister von Burkina Faso, Yacouba Zabré Gouba, wie Sputnik international berichtete, drei Absichtserklärungen über Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie. Eine Gruppe technischer Spezialisten von Rosatom wird noch in diesem Monat in die Hauptstadt Ouagadougou reisen, um zu prüfen, welchen Standort und welche Kapazität dort ein KKW haben könnte.

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